Zeit ist genauso ein dehnbarer Begriff wie Veränderung, und doch ist es uns unmöglich, das eine oder andere
aufzuhalten. Immer beseelt uns eine Kraft, die uns antreibt vorwärts zu laufen, auch wenn wir vielleicht lieber stehen bleiben würden und, im Sinne Fausts, für uns den Satz formulieren: " Oh
Augenblick verweile doch, Du bist so schön!" Und wer weiß, vielleicht ist es nicht Mephisto, der in diesem Moment freudvoll seine Augenbraue hebt und uns zulächelt. Vielleicht sind es vielmehr
wir selbst, die wir in diesen Tagen, am Ende eines weiteren Jahres, ins Grübeln über unser Dasein geraten und bei Dunkelheit die eigene Vergänglichkeit zu deutlich vor Augen geführt bekommen. Was
macht es so schwer uns einen Schritt vorwärts in die Ungewissheit - das Abenteuer - zu wagen? Passieren kann nichts, denn solang die Silberschnur mit den Perlen nicht reißt, rollen diese auch
nicht zurück ins Meer - zu Ihrem Ursprung. aber vielleicht ist genau das das Problem, dass wir unseren Ursprung nicht kennen und somit nicht die Möglichkeit haben am Ende dieser Tage zu ihm
zurück zu kehren.
Statt dessen beschäftigen wir uns über die Zeit mit allerlei Dingen, die uns von unermesslicher Wichtigkeit erscheinen: der tägliche Job, der uns mit Verantwortung winkt und uns mit Geld lockt,
Kriesen, Katastrophen besiegeln Abend für Abend den Tag und manchmal ist es erschütternd mit welcher Normaltät wir Meldungen von Selbstmordattentätern, Naurkatastrophen oder Morden in uns
aufnehmen. Geradeso, als würde die Tomatensauce zur Pasta sonst an Würze verlieren, wenn man sie nicht wenigstens mit zwei Morden am Abend garniert.
Die Finanzkriese schockiert uns mehr und lähmt unser Tagesgeschehen, während in den Kriegsgebieten dieser Welt Mütter um ihre Kinder und Kinder um ihre Väter weinen, denn wir sind ja in sicherem
Abstand und sehen Elend und Krieg nur hinter Glas aus einer anderen, fernen Welt.
Was hindert uns daran Lachen zu schenken und Kinderaugen strahlen zu lassen? Man wollte nie erwachsen sein, nie den Glauben an Engel, Feen, Elfen, Zwerge, Kobolde oder sprechende Tiere aufgeben -
und doch ist es irgendwann passiert. Nur den Wunsch stehen zu bleiben, sich nicht zu verändern, der ist geblieben. Nur wurde er im Laufe der Jahre von der Zeit überspült und keimt erneut in uns
auf, jedes Jahr, wenn es Weihnachten wird. Lichter, Weihrauch, Lebkuchen, Glühwein, Zimt, Kardamon und Mandel - all das versetzt uns in die Kindheit und bringt auch unsere Augen zum Leuchten.
Die Monate kommen und gehen, mit ihnen Freude, Trauer, Schmerz, Spaß und Freunde oder Bekannte. Manches bleibt oft lang anderes verschwindet nach kurzer Zeit, so als ob wir einfach
hergezaubert werden und wenn jemand am Faden zieht sofort in eine andere Geschichte versetzt werden. Dinge passieren, von denen wir glauben Sie selbst in der Hand zu haben, denn der Mensch an
sich ist ein selbstständig denkendes und handelndes Wesen. Selbstbestimmung: So definierte einst Kant seinen kategorischen Imperativ. Doch gehen wir wirklich selbstbestimmt durch unser Dasein?
Ist es vielleicht nich so, dass der rote Faden bereits gesponnen ist, bevor wir ihn in die Hand bekommen?
Darwin lehrte, dass alles im Leben aufeinander aufbaut und damit in gewisser Weise untrennbar miteinander verbunden bleibt. Alle Materie und Energie kann nicht verschwinden, sondern maximal in
andere Formen umgewandelt werden. Vor diesem Hintergrund wirkt Selbstbestimmung reichlich deplatziert und albern. Alles ist ein Teil des Großen Ganzen und hat sich der Ordnung zu fügen - aber
muss man das annehmen? Muss man sich dem eigenen "Schicksal" unterwerfen? Kann man nicht vielmehr versuchen, sich das Große Ganze zu Nutze zu machen? "Leben ist das, was einem zustößt, während
man auf die Erfüllung seiner Träume wartet." (M. Krug) In diesem Fall sind es unsere Träume, Wünsche und Sehnsüchte, die wir mit jedem Stern an den Himmel hängen, die es uns erlauben auszubrechen
und mit unserem Glauben daran, dass sie wahr werden, jeden Tag neue Veränderungen in der Welt hervorbringen.
Das ist es, warum Weihnachten auch nach 2000 Jahren nichts von seinem Glanz eingebüßt hat, weil nur diejenigen Wunder erleben, die unbeirrt an Wunder glauben, gleich, welche es auch sein
mögen...